Soll ich mein Studium wirklich abbrechen? Diese Frage mag viele quälen und führt im schlimmsten Fall lange zu keinem Ergebnis.
Jakob, Christina und Birgit haben eins gemeinsam – sie haben nach langen Überlegungen ihr Studium beendet und sich neu orientiert. Die Gründe für die Unzufriedenheit mit ihren Studien waren dabei ganz unterschiedlich. Nach vielen Semestern mit Bauchschmerzen und voller Gedanken haben sie sich entschieden, einen Weg zu gehen, den sie zuerst als Versagen angesehen haben. Aber so war es dann doch nicht.
Pro Studienabbruch: Wenn die Inhalte nicht den Interessen entsprechen
"Ich habe eigentlich recht schnell gemerkt, dass ich mir das falsche Studium ausgesucht habe", berichtet Jakob, "Das hat nicht mal ein Semester gedauert." Die Orientierungswoche und die ersten Vorlesungen waren noch aufregend und auch interessant, aber schon nach wenigen Wochen war die Neugier verflogen. "Ich habe Rechtswissenschaften als Studium gewählt, weil ich mich eigentlich immer für Gerechtigkeit eingesetzt habe und dachte, als Jurist könnte ich selber etwas ändern. Außerdem haben mich die Karriere- und Gehaltschancen gereizt. Als ich dann aber im ersten Semester die verschiedenen Seminare besucht habe, uns beigebracht wurde, wie man juristisch korrekt ein Gutachten schreibt, da habe ich gemerkt, dass dieses Fach die falsche Wahl war", berichtet er rückblickend.
Trotzdem hat sich Jakob noch mehrere Semester durch sein Studium geschleppt. Aufgeben wollte er nicht, denn einen Studienabbruch hat er als persönliches Scheitern empfunden. "Irgendwann kommt bestimmt der Spaß an den Studieninhalten", hat er sich immer eingeredet. Dazu kam es aber nicht und nach vier Semestern voller Stress, Unzufriedenheit und Bauchschmerzen hat er endlich den Schritt gewagt und sein Studium abgebrochen.
Pro Studienabbruch: Wenn man einfach kein Student ist
Die Entscheidung, ein Studium zu beginnen, wurde Birgit teilweise von ihren Eltern aufgedrängt. Ein anderer Grund war die Sehnsucht nach etwas Neuem und Aufregendem. "Ich bin in einem kleinen Ort in einem Ski- und Erholungsgebiet aufgewachsen. Größere Städte waren weit entfernt und dementsprechend selten habe ich Großstadtluft geschnuppert", sagt Birgit.
Ihre Eltern führen ein kleines Hotel und wollten, dass ihre Tochter auch mal rauskommt aus den Bergen und in der Stadt "etwas richtiges studiert". Birgit hat sich dann für BWL eingeschrieben, "weil man damit so viel machen kann". Allerdings hat sie sich in der Stadt nie wohl gefühlt, ihre Freunde und die Ruhe der Berge vermisst. "Ich musste einfach feststellen, dass ich kein Typ für die große Stadt und die große Karriere bin. Das Studium war mir viel zu theoretisch, die Stadt zu eng und mit vielen Studienkollegen bin ich nicht zurechtgekommen. Aber ich wollte nicht aufgeben und habe mir eingeredet, dass sich die Probleme mit der Zeit schon legen werden. Sie wurden aber leider immer schlimmer, ich habe Tag und Nacht nur über den Studienabbruch nachgedacht und Depressionen bekommen."
Zum Schluss ist Birgit sogar in psychotherapeutischer Behandlung. Hier erhält sie die Hilfe und den Mut, sich und ihren Eltern einzugestehen, dass sie eben nicht für ein Studium geeignet ist. "Das Studium abbrechen und zurück in meine geliebte Bergwelt, das war der richtige Entschluss."
Pro Studienabbruch: Wenn man sich etwas anderes vorgestellt hat
Ein anderes Beispiel liefert Christina. Sie hatte sich unter dem Studium etwas ganz anderes vorgestellt. "Ich muss gestehen, dass ich mich vor dem Studienbeginn nicht sehr ausführlich mit den Studieninhalten auseinandergesetzt habe. ‚Medien- und Kommunikationswissenschaften‘, das klang für mich nach Fernsehen, Zeitung und Radio. Artikel schreiben, Fernsehbeiträge drehen und schneiden, das hatte ich mir vorgestellt. Das Studium behandelt aber unter anderem Themen wie Sozial- und Medienforschung, Medienpädagogik oder auch gesellschaftliche Wissenschaften."
Nicht alle Vorlesungen waren für Christine uninteressant, aber auch mit den Berufsmöglichkeiten konnte sie sich nicht anfreunden und so entschied sie nach langen Gesprächen mit ihren Eltern und der Psychologischen Studentenberatung, ihr Studium abzubrechen.
Fazit: Studium abbrechen – das ist kein Weltuntergang
Rückwirkend empfanden unsere drei Beispielpersonen den Studienabbruch als richtige Entscheidung. Sie hätten ihn nur früher durchziehen sollen, um nicht so viel Zeit zu verlieren. Auch wichtig: "Sich frühzeitig nach den richtigen Alternativen umschauen", rät Jakob. "Als ich den Entschluss gefasst hatte, dass ich mein Studium abbrechen möchte, habe ich gleichzeitig angefangen, mich nach anderen Studien umzuschauen, die besser zu mir passen." Dazu hat er unterschiedliche Karrieremessen besucht und auch die Beratung verschiedener Hilfsstellen in Anspruch genommen.
Mittlerweile studiert Jakob sehr zufrieden Politikwissenschaften. Auch damit kann man etwas verändern. Christina hat sich ein anderes Medienstudium gesucht und Birgit macht eine Ausbildung im Hotel ihrer Eltern.